Interview mit Marlene Horn; Studentische Vertreterin in der Gleichstellungskommission

Das Interview führten Myriam Courrèges und Carla Ida Moschner.

Carla: Hi Marlene! Schön, dass du heute da bist. Ich bin Carla und noch mit uns ist heute Myriam. Wir freuen uns, heute mit dir ein Interview führen zu können.

Marlene: Danke schön, dass ihr mit mir reden wollt.

Carla: Sehr gerne. Du bist an der Alanus schließlich in verschiedenen Rollen tätig und präsent: Im Stura, der Gleichstellungskommission und eben auch als Studentin. Deswegen wollten wir mit dir ins Gespräch kommen, zu deinen Perspektiven im Hinblick auf das Thema Geschlechtergerechtigkeit, natürlich im Zusammenhang mit der Themenwoche Geschlechter(un)gerechte Hochschule. Zunächst einmal eine ganz einfache Frage: Wie lange studierst du denn schon an der Alanus Hochschule, seit wann bist du im Stura und in der Gleichstellungskommission?

Marlene: Ich habe 2017 angefangen zu studieren und bin glaube ich ein halbes Jahr später schon direkt in den Stura eingestiegen. Da habe ich mich langsam über die letzten Jahre reingearbeitet. Seitdem bin ich tatsächlich auch durchgängig dabeigeblieben. Seit 1 ½ Jahren, also seit Herbst 2019, bin ich nun studentische Vertreterin in der Gleichstellungskommission.

Carla: In der Kommission: Was sind dort deine Aufgaben, wenn du Studierende vertrittst?

Marlene: Grundsätzlich ist die Kommission ein beratendes Gremium für die Gleichstellungsbeauftragte und das ist genauso meine Aufgabe wie auch die der anderen Mitglieder der Kommission. Das heißt wir treffen uns in regelmäßigen Abständen, um aktuelle Anliegen oder vielleicht auch konkrete Fälle an der Hochschule zu besprechen und uns zu überlegen, wie man damit verfährt oder was zu tun ist. Aber auch darüber hinaus beschäftigen wir uns grundlegend mit Themen der Gleichstellung. Wir haben uns jetzt im letzten Jahr zum Beispiel viel mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz beschäftigt und überlegt, wie man das Thema weiterträgt an der Hochschule. Als studentische Vertreterin ist meine ganz spezifische Aufgabe, dass ich Anliegen, die von Studierenden kommen in Bezug auf das Thema Gleichstellung oder Diskriminierung, weitertrage in die Kommission und die Interessen der Studierenden vertrete.

Myriam: Wenn ich da kurz einhaken darf: Heißt das, dass man sich das so vorstellen kann: Ihr in der Kommission wartet darauf, dass Anliegen kommen von Studierenden oder Mitarbeitenden und dann setzt ihr euch zusammen und erarbeitet ein Konzept oder beschäftigt euch mit dem Thema, um vielleicht auch Lösungsansätze zu entwickeln? Wie kann man das verstehen, was ist da das Ziel, unabhängig von Anliegen, die von außen reinkommen? Tagt ihr davon abgesehen auch und bearbeitet bestimmte Konzepte?

Marlene: Es ist schon ähnlich, wie du es beschrieben hast. Viele Themen, mit denen wir uns beschäftigen sind Anliegen, Anfragen oder Fälle die aus der Hochschulgemeinschaft an uns herangetragen werden. Ein anderer Bereich ist aber eben, dass wir nicht nur diese ganz konkreten Themen oder Einzelfälle behandeln, sondern auch Themen haben, die sich zum Beispiel durch ein ganzes Jahr oder viele Monate ziehen. Die sind dann meistens etwas tiefgreifender und brauchen andere Ansätze als gerade eben mal eine Lösung oder Betrachtung eines konkreten Falles. Da ist es immer eine Frage, wie die Kapazitäten sind. Es gibt natürlich auch Zeiten, in denen das auf der Strecke bleibt, weil gerade viel los ist zum Beispiel. Grundsätzlich würde ich aber sagen machen wir beide Arten von Arbeit. 

Carla: Ich fände es sehr spannend, weil du von dem Jahresthema „sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ gesprochen hast: Was habt ihr in dem Bereich erarbeitet? Hat sich da schon etwas verändert? Auch die Frage, wie ihr zu dem Thema gekommen seid?

Marlene: Den Einstieg in das Thema habe ich ehrlich gesagt ein wenig verpasst, weil ich da ein paar Sitzungen nicht dabei war, oder es hat schon angefangen, bevor ich überhaupt in die Kommission gewählt wurde. Deswegen kann ich die Entstehung davon nicht mehr genau rekonstruieren.

Wir haben uns lange mit einem Leitfaden beschäftigt, der diese Thematik behandelt und Vorschläge bietet für Institutionen, wie sie damit verfahren und gleichzeitig auch auf rechtliche Parameter, sage ich mal, hinweist. Dass es zum Beispiel eine feste Stelle geben muss, an die man sich wenden kann bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Das ist auch immer noch in Arbeit. Ein bisschen schwierig war daran, dass es in der Hochschulleitung ganz viel Wechsel gab in den letzten Monaten. Wir würden zum Beispiel mit der neuen Kanzlerin das Thema gerne weiterbehandeln, da für die Einrichtung solcher Stellen zum Beispiel eben die Geschäftsführung zuständig ist an der Alanus Hochschule. Wir sind in dem Fall diejenigen, die den Anstoß dafür liefern und sich mit der Thematik befasst haben und dann aber auch ab einem gewissen Punkt die Verantwortung abgeben müssen. Da stehen wir jetzt gerade davor. 

Carla: An der Stelle fände ich es auch interessant, wie gerade du darauf gekommen bist, in die Gleichstellungskommission zu gehen, bzw. dich zur Wahl aufstellen zu lassen? Was war deine Motivation dahinter, in dieses Gremium reinzugehen?

Marlene: Die Situation war tatsächlich so: Wir haben in der Kommission zwei Stellen, die von studentischen Vertreter:innen besetzt werden können und eigentlich ist vorgesehen, dass die von zwei verschiedenen Geschlechtern auch besetzt werden, z.B. von Mann und Frau. Im StuRa hat sich das aber nicht ergeben. Die eine Stelle war bereits besetzt von der Christina Hunold, mit der ich auch immer noch in der Kommission bin. Die andere Stelle war frei und es wollte aber auch z.B. niemand der Männer bei uns im StuRa. Niemand hat sich so direkt dazu berufen gefühlt. Mich hat das Thema aber sehr interessiert und ich fand das wichtig und beschäftige mich damit schon länger auch privat. Irgendwann wurde in einer Sitzung dann beschlossen, dass es vielleicht in diesem Fall sinnvoll wäre, dass diese Positionen durch Personen besetzt sind, die sich eben wirklich dafür interessieren und die nicht nur in der Kommission sitzen, weil sie gerade das passende Geschlecht haben. So ist das dann gekommen, dass ich trotzdem in der Gleichstellungskommission gelandet bin, auch wenn es erst gar nicht so vorgesehen war.

Carla: Das hatte ich nämlich auch so in der Gleichstellungsordnung gelesen und habe mich auch gefragt, wie es zu dieser doppelten Frau-Besetzung kommt. Gut davon mal zu hören, woher das kommt. Nun mal zur Zeit, die du schon an der Alanus bist betrachtet: Welche feministischen Projekte oder Gleichstellungsprojekt auch außerhalb der Gleichstellungskommission, z.B. auf Studierendenseite, hast du denn schon mit erlebt? Wir haben natürlich im Zuge unseres Projekts dazu schon viel recherchiert, hatten aber oft das Gefühl, dass da noch gar nicht so viel Geschichte in dem Bereich liegt. Gleichzeitig kann es aber sein, dass wir vieles noch gar nicht mit bekommen haben und deswegen die Frage an dich.

Marlene: Grundsätzlich deckt sich da auch mein Gefühl mit eurem. Es gibt ein paar einzelne Projekte, die mir im Kopf geblieben sind. Das ist ein ganz kleines Projekt, da habe ich auch eigentlich nie mit jemandem darüber geredet. Ich weiß aber noch, dass eine Studentin ein künstlerisches Tandemprojekt zum Thema Weiblichkeit gemacht hat. Das war im Foyer ausgestellt, auch gar nicht so lange und es war wie gesagt sehr klein, aber ich fand das mutig und ich habe es mir gerne angeguckt. Zum anderen die feministische Hochschulgruppe, die du Carla ja auch kennst. Das fand ich auch richtig toll, dass die sich gebildet hat. Leider ist sie mit dem Anfang von Corona dann ein wenig eingeschlafen und es würde mich voll freuen, wenn die nochmal zum Leben erweckt wird, weil ich denke auf Dauer wäre das richtig toll an der Alanus Hochschule.

Ich habe mir insgesamt da schon viele Gedanken zu gemacht, warum es denn eigentlich recht wenige studentische Initiativen gibt, obwohl wir auch eine Hochschule für Gesellschaft sind und viele Menschen bei uns studieren, die dieser Thematik gegenüber zumindest mal total offen sind. Ich glaube das liegt zum einen daran, dass man schon unterschätzt wie viel Potential einfach an großen Universitäten und Hochschulen in der Anzahl von Menschen liegt. Es ist echt leichter und es passiert schneller, dass sich da Menschen vernetzen mit derselben Thematik oder mit demselben Interesse und dort ein Gefühl aufkommt von: „Wir können hier gemeinsam etwas bewegen.“ Das ist erstmal paradox, weil wir an einer ganz kleinen Hochschule studieren, die erstmal auch offen ist für individuelle Prozesse und Veränderung, aber ich glaube, dass diese Bewegungskraft schwieriger aufkommt bei uns. Ich glaube, ein anderer Punkt ist auch, dass wir uns manchmal in unserer „Alanus-Blase“ viel in Gruppen bewegen mit Menschen, die der Thematik offen gegenüberstehen und oft dann das Mindset herrscht, an der Alanus gäbe es so etwas wie Diskriminierung gar nicht, hier wäre ohnehin alles geschlechtergerecht. Ich denke dieses Denken entsteht, eben weil es nicht richtig zu Reibungen kommt, oder mal zu Fällen, die da richtig aus der Reihe tanzen. Ich glaube dabei wird ganz oft übersehen, dass Sexismus aber eben auch strukturell viel tiefer geht, als wir auf den ersten Blick sehen können und uns mit betrifft, selbst wenn wir zunächst denken, wir hätten keinen Sexismus an der Hochschule und wären selbst auch nicht sexistisch. Dass diese Thematik tief greift und wir auch selbst nicht frei von subtileren, sexistischen Strukturen sind, dass wird glaube ich manchmal übersehen.

Das ging jetzt schon in andere Fragen rein, ich hoffe, das war okay.

Myriam: Ja, auf jeden Fall. Danke dir für die Ausführung, ich fand es sehr spannend deine Ideen dazu zu hören. Und ich konnte mich sehr damit identifizieren und fand es sehr plausibel. Dadurch, was ich jetzt bis ins vierte Semester erlebt habe, wie die Dynamik dann auch einfach mal entsteht.

Marlene: Da habt ihr euch bestimmt auch im Rahmen der Themenwoche euch schon mit beschäftigt.

Carla: Oftmals nehme ich da auch ein Zurückschrecken wahr, Situationen, in denen man selbst oder jemand anderes diskriminiert wurde, anzusprechen, da es auch oft kleine Alltagssituationen sind, wie z.B. in Vorlesungen. Dann ist es schon so schnell wieder vorbei, dass man denkt: „Schwamm drüber!“ Aber je weiter es sich läppert an solchen Erfahrungen denkt man sich dann eventuell: „Wie kann das denn sein, dass es heute ‚immer noch‘ so ist.“ Natürlich hat sich viel getan und es ist wichtig, auf die positiven Veränderungen zu schauen, aber dabei nicht zu sagen, dass nun alle gleichberechtigt seien. Es bräuchte, denke ich, ein konstruktives Betrachten, welche Schritte es denn noch braucht, um zu einer geschlechtergerechteren Hochschule zu gelangen. Hast du in dem Bereich schon Entwicklungen beobachten können? Bewegungen, dass sich etwas verändert, eher Stillstand, oder sogar ein Zurückgehen? Was ist da, auch im Hinblick auf deine Gremienarbeit, dein Gespür dazu? 

Marlene: Ich würde nicht sagen, dass wir zurückgehen. Das auf keinen Fall. Ob eine große Entwicklung stattgefunden hat, fällt mir auch ein wenig schwer zu beurteilen, weil ich nur einen Ausschnitt der Hochschule im Blick habe. Ich habe, wie gesagt, das Gefühl, dass da grundsätzlich eine Offenheit für die Thematik da ist und auch schon immer da war. Mir fällt jetzt zum Beispiel ein, dass im Studium Generale jetzt auch tatsächlich mal eine Lehrstelle fest besetzt wurde, mit jemandem, der sich mit Geschlechtergerechtigkeit befasst. Gleichzeitig aber auch wieder nur in einem sehr speziellen Rahmen, mit Unternehmensführung usw., glaube ich. Das weiß ich aber auch nicht genau. Es liegt glaube ich da einfach noch viel vor uns, sowieso auch gesamtgesellschaftlich und davon ist die Alanus natürlich Teil. Natürlich bekommen die Menschen auch an der Alanus mit, dass das Thema immer größer wird und auch der Bedarf darüber zu reden und dass mehr auf Bedürfnisse verschiedener Geschlechter oder z.B. von trans*-Personen eingegangen werden muss, da wird immer mehr mitgedacht. Und hier glaube ich, dass neue Ideen sehr schnell und oft recht unkompliziert umgesetzt werden können, eben weil die Hochschule recht klein ist und die Strukturen überschaubar sind. Gleichzeitig muss ich sagen, finde ich es schade, dass die Thematisierung teilweise auch erst durch betroffene Personen angestoßen wird, auf die dann reagiert wird. Das fände ich schön, wenn es anders wäre.

Das ist vielleicht meine etwas schwammige Antwort zu der Entwicklung an der Alanus. Ich finde es sehr schwer zu beurteilen. Da wiegt ganz viel mit und im Großen und Ganzen würde ich sagen, da geht noch was. (lacht)

Myriam: Mit früher meinst du die Zeit auf die du zurück blickst, also 2017, oder?

Marlene: Ja, genau, also in den ersten Jahren, in denen ich studiert habe, da war das überhaupt nicht im Gespräch, gar nicht.

Myriam: Ja spannend, wie in so kurzer Zeit da doch schon einiges passieren kann.

Marlene: Ja, voll! Und jetzt sind wir momentan in der Gleichstellungskommission dabei, dafür zu sorgen, dass es Unisex Toiletten an beiden Campus gibt. Das war vorher auch kein Thema. Da hätte man wahrscheinlich nicht so drüber gesprochen.

Carla: Was wären denn Dinge, bei denen du dir wünschen würdest, dass die Alanus an den Stellen agiert und nicht reagiert. Phänomene, die noch nicht als konkreter Fall aufgetreten sind, aber auf die schon geblickt werden sollte, anstatt zu warten.

Marlene: Mmh. (Überlegt) Unter Warten würde ich verstehen, dass man abwartet, bis sich mal jemand beschwert.

Carla: Genau.

Marlene: Man wartet z.B, bis die Studierenden sagen, das ist uns nun nicht genug, oder dass eine Klage kommt oder keine Ahnung was. Da würde ich sagen, worauf möglichst nicht werden sollte, wäre Geschlechterdiversität in Führungspositionen, das war ja in den letzten Jahren in der Hochschulleitung schon gut, finde ich und auch in Professuren. Da finde ich, könnte nochmal hingeschaut werden. Zum Beispiel, dass wir am Institut für Philosophische und Ästhetische Bildung keine nicht männlich besetzte Professur haben. Das finde ich schwierig und auch sehr schade, weil ich glaube das wäre zum einen für die Repräsentation von mehreren Geschlechtern eben ganz wertvoll und bestimmt auch für andere Perspektiven auf die Lehrinhalte. Auch wenn ich der Meinung bin, dass Geschlechtergerechtigkeit alle Geschlechter was angeht und von allen auch gleichermaßen thematisiert werden sollte und ich auch viele meiner männlichen Professoren so erlebt habe, dass sie da durchaus Bewusstsein für haben und das Thema auch selbst ansprechen, aber meistens einfach nicht so tiefgehend. Das wäre ein Punkt. Ihr hattet ja auch in euren Fragen, ich greife nun schon mal ein wenig vor, die Gleichstellungsbeauftragte angesprochen. Ich weiß, dass die Alanus da immer vor besonderen Herausforderungen steht, weil wir eine private Hochschule sind und Dinge berücksichtigen müssen wie Finanzierung und Kapazitäten usw. Aber das wäre ein Punkt, bei dem ich sagen würde, es wäre richtig toll, wenn da aktiv Kapazitäten geschaffen werden würden, zum Beispiel in Form von einer ganzen Stelle oder sogar einem eigenen Office, wie auch das International Office oder das Green Office, das es jetzt seit Neuestem gibt. Das würde ganz andere Möglichkeiten eröffnen und es gäbe so viel Potential für Projekte, die ganz viel bewegen könnten. Das war bis jetzt einfach nicht so möglich und wird sich jetzt aber etwas ändern, im Rahmen einer Freistellung für die Gleichstellungsbeauftragte zumindest zum Teil. Ich fände es auch toll, wenn es jedes Semester einfach ein bestimmtes Kontingent an Lehrveranstaltungen entweder genau zum Thema Geschlechtergerechtigkeit eben gäbe, oder von Wissenschaftler:innen oder Künstler:innen, die eben sonst nicht vertreten wären. Ich muss sagen, in meinem PhASE Studium habe ich nur Hannah Arendt als weibliche Philosophin näher behandelt, so. Und das liegt natürlich auch daran, dass ganz viele Jahre die Wissenschaft und die Philosophie männlich dominiert waren und noch immer sind, aber ich fände es toll, so etwas mal ganz bewusst aufzubrechen. Wo kommen wir, jetzt mal flach gesagt, sonst hin, wenn wir uns immer auf die alten, männlichen Philosophen beziehen? Das trägt sich schließlich immer weiter. Dort eine Veränderung: Das fände ich auch gut. Fürs Erste.

Carla: Da kann ich mich nur anschließen. Vielleicht machen wir mal eine kurze Pause und ich gehe nochmal durch meine Fragen (lacht). Wie steht es denn mit der Repräsentation der momentan vorhandenen „Projekten“, die es gibt, wie z.B. die Gleichstellungskommission, die Handreichung zu gendergerechter Sprache, oder die Auseinandersetzung zu sexueller Gewalt am Arbeitsplatz. Hast du das Gefühl, das dringt alles zu den Studierenden durch, dass man jedenfalls von dem, was passiert, mitbekommt? Oder hast du das Gefühl, es geschieht eher im Verborgenen und ist wenig bekannt?

Marlene: Ich glaube, dass das nicht ausreichend durchdringt. Ich glaube, höchstens durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Ich denke aber gar nicht mal, dass das an der Thematik liegt, sondern auch an der Struktur der Hochschule. Da ist z.B. bis jetzt nicht geregelt, dass die zwischen dem StuRa oder anderen Hochschulgremien und der Hochschulgemeinschaft ein geregelter Austausch stattfindet. Ich glaube die Alanus Hochschule könnte es da auch vertragen in der Kommunikation noch eine andere Plattform zu finden. Das ist ein ganz anderes Thema, aber das Hochschulgespräch und all diese Dinge, die auch in den letzten Jahren oft nicht so stark angenommen wurden, werden auch jetzt überarbeitet. Jetzt gerade in diesem Moment kann ich sagen, dass dafür auch noch keine Lösung gefunden worden ist. Da müsste man sich auch im ganz Großen mal Gedanken machen. Das ist ein Thema für sich.

Carla: Was dann ja auch alle Themenbereiche betrifft und nicht nur die Gleichstellung.

Marlene: Genau.

Carla: Bringt nochmal den ganz großen Rahmen. Was mich noch interessieren würde ist, ob du auch Vergleiche zu anderen Universitäten hast? Was natürlich eher geht, wenn du schon mal woanders studiert hast. Du hast vorhin schon von größeren Unis gesprochen, an denen das eventuell leichter funktionieren könnte, dass sich Leute in Gruppen zusammenfinden. Aber auch interessiert mich der Vergleich zu anderen Gleichstellungskommissionen. Vielleicht seit ihr da sogar manchmal in Kontakt.

Marlene: Zu anderen Gleichstellungskommissionen kann ich gar nichts sagen. Ich weiß nicht, ob es das an jeder Hochschule oder Universität gibt oder wie das da aussieht und geregelt ist. Ich selbst habe nur ganz kurz in Freiburg studiert, also ganz, ganz kurz und habe da gar nichts mitbekommen, aber auch generell nicht. Ich kenne nur von der Uni Bonn natürlich das Referat für LGBTIQ*-Thematiken. Über meine Schwester, die in Köln studiert hat, habe ich nur viel mitbekommen, dass da viel passiert und dass auch ihr Studium super stark geprägt war von der Thematik Sexismus und Feminismus, und dass da auch viel Auseinandersetzung mit stattgefunden hat. Was man auch sagen muss, ist dass das aber neben der Unigröße auch immer stark vom Studiengang abhängt. Meine Schwester hat Medienpädagogik und Medienkunst studiert. Das ist ein Feld, da würde ich sagen, dass es zwar nicht automatisch einfach passiert, dass man sich mit Feminismus beschäftigt, aber grundsätzlich haben Studiengänge, die gesellschaftlich orientiert sind, an staatlichen Hochschulen und Universitäten vielleicht mehr Kapazitäten auf diese Thematik einzugehen. Da geht es eher, ganze Stellen zu besetzen mit Expert:innen, die sich damit beschäftigen. Ich glaube, dass das an so einer kleinen Hochschule wie der Alanus schwieriger umzusetzen ist und kommt mir ganz persönlich deswegen auch oft einfach zu kurz im Vergleich. Im StuGe oder PhASE würde sich das einfach anbieten und müsste fester Bestandteil davon sein, wenn wir uns unsere Gesellschaft anschauen und sie kulturkritisch betrachten. Dann ist das manchmal schon sehr knapp, neben anderen Themen, finde ich.

Carla: Vielleicht nochmal aufs Thema offene Stellen zurück. Da versuche ich ganz geschickt, noch den großen Bogen zu schlagen zur Gleichstellungsbeauftragten: Du hattest es schon angedeutet, dass geschaut wird, ob eine Bezahlung eingesetzt wird, oder eine Freistellung. Hast du Lust uns Insider-Informationen weiterzugeben (lacht)?

Marlene: (lacht) Ich kann euch nicht viel konkretes sagen, weil es auch noch nicht in festen Tüchern ist. Sagt man das so? Nein, trockenen Tüchern. Es ist aber grundsätzlich so, dass wie ihr ja wisst, die Position der Gleichstellungsbeauftragten im Moment, aber erst seit kurzem, nicht besetzt ist und neu besetzt wird und es ist nun so, dass die Ausschreibung an die Hochschulgemeinschaft rausgegangen ist. Das heißt, es wird nun erst mal auf Bewerbungen auf diese Stelle gewartet. Was es momentan auch nicht gibt, ist eine stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte. Diese Stellen müssen beide besetzt werden und zwar von nicht männlichen Personen. Es wird aber für beide Positionen eine begrenzte Freistellung geschaffen werden. Das bedeutet, dass die Person die diese Aufgabe übernimmt zu einem gewissen Prozent- oder Stundensatz von ihrer eigentlich Arbeit in der Hochschule entlastet wird. 

Carla: Dann bleiben wir mal weiterhin an dem Thema dran. Finde das ja sehr spannend, diese Entwicklungen.
Gerade meintest du ja, die Stellen müssen “nicht-männlich” besetzt sein. Als ich mir die Gleichstellungsordnung angesehen habe, erschien sie mir auf den ersten Blick jedoch sehr binär. Es war sehr viel von Mann und Frau die Rede. Kommen wir doch jetzt, auch mit einem Blick auf die Zeit, zur letzten Frage. Meiner persönlichen Lieblingsfrage, jedenfalls. Du hast ja an ein paar Stellen schon gesagt, was du gerne verändern würdest. Und du kannst dir mal vorstellen, wenn du einen Tag hättest an der Alanus, um zu verändern, was auch immer du möchtest. Als „Queen Marlene“ sozusagen, was würdest du da im Bereich der Geschlechtergerechtigkeit ändern?

Marlene: Ich möchte jetzt nicht schleimen, aber eine Idee, wie eure, also eine offene Themenwoche, die sich mit feministischen Inhalten beschäftigt und die auch fachbereichsübergreifend oder sogar hochschulübergreifend stattfindet, finde ich richtig gut und ich bin super gespannt, was da so passiert. Ich finde, das ist eine super Gelegenheit, um auf das Thema aufmerksam zu machen und auch in einem ganz konkreten Rahmen, also der eigenen Hochschule, gemeinsam zu schauen, wie es läuft und in Bewegung zu kommen. Das würde ich also nicht ändern, sondern einfach sehr supporten.
Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass eine stärkere Vernetzung nach außen, also über Alfter hinaus generell toll wäre. Also z.B. mit nahe gelegenen Hochschulen, die eben mehr Kapazitäten oder größere feministische Bewegungen bei sich haben. Vielleicht könnte man in dieser Hinsicht ja auch kooperieren, sodass Studierende bei uns sich auch bestimmte Lehrveranstaltungen zum Thema Geschlechtergerechtigkeit anrechnen lassen könnten. So eine Kooperation haben wir im Fachbereich PhASE bzw. StuGe ja schon mit dem philosophischen Institut der Uni Bonn, aber ich glaube, das wird wenig genutzt und auch nicht so stark beworben. Ganz konkret thematisch angeknüpft könnte ich mir das aber sehr reizvoll vorstellen. Oder ansonsten eben eine stärkere Kommunikation mit feministischen Gruppen oder Referaten zu dem Thema und auch Verweise auf aktuelle Aktionen, die dort passieren. Das ist jetzt nicht so konkret und bräuchte sicherlich länger, um anzulaufen, aber das wäre vielleicht ein Weg, um den Herausforderungen einer relativ kleinen Hochschule in dieser Hinsicht ein bisschen entgegenzuwirken.
Besonders weil die Alanus eine Kunsthochschule ist, würde mich aber auch total interessieren, wie eine Auseinandersetzung mit Geschlechtern oder auch deren künstlerische Hinterfragung und Behandlung in der bildenden oder darstellenden Kunst aussehen könnte. Bis jetzt wird es bei uns ja vor allem wissenschaftlich behandelt und bestimmt liegt das auch daran, dass gerade das künstlerische Studium ganz viel Freiheit für individuelle Arbeit und persönliche Themen lässt und inhaltlich weniger vorgibt. Und das ist natürlich auch gut. Aber ich glaube, dass Kunst eine super wertvolle Ebene in der Beschäftigung mit diesem gesellschaftlichen und in jedem Fall ja auch persönlichen Thema bietet und auf ganz andere Weise Zugänge und Erkenntnisse eröffnen kann als z.B. ein wissenschaftlicher Text. Ein spezifisch künstlerisches Projekt, vielleicht auch eine öffentliche Ausstellung oder Performance oder im Rahmen eines Seminars dazu fände ich also richtig cool.

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